Schreibaby und Highneedbaby: Was tun und wann wird es besser?

Inhalt

Möchtest Du wissen, wann Du tun kannst, um Deinem Highneedbaby oder „Schreibaby“ zu helfen und wann es endlich besser wird? Um das Schreien Deines Babys besser zu verstehen (denn es gibt immer einen Grund), wollen wir zuerst heraus finden, wieso Dein kleines Baby so viel schreit und weint.

Babys schreien nie ohne Grund. Es liegt an uns Großen, herauszufinden, welches Problem das kleine Baby hat und was ihm wirklich hilft.

Auch Highneedbabys und „Schreibabys“ weinen aus unterschiedlichen Gründen. Deshalb gibt es auch kein Wundermittel gegen Schreibabys und Highneedbabys, kein Allheilmittel gegen Babyschreien. Denn Dein Kind hat immer einen Grund für sein Verhalten. Es möchte Dich nicht ärgern, es hat ein Problem und sucht Deine Hilfe. Das Schreien ist das Signal Deines Babys an Dich.

Aber was hat es nur? Wollen wir das gemeinsam herausfinden? Lass` uns anfangen!

Vorher noch ein Hinweis an Dich: es kann sein, dass Du den Grund für das viele Schreien alleine nicht herausfinden kannst oder ihn erst rückblickend entdeckst. Bis dahin bleibt der Umgang mit dem untröstbaren Schreien Deines Babys Beruhigen und/ oder Begleiten.

Ok, los geht`s: Bei jedem Weinen solltest Du immer zuerst die Grundbedürfnisse Deines Babys prüfen: Gehe dazu einfach die folgenden Punkte durch ( Hey, Du brauchst keinen Screenshot- hier kannst Du Dir die Liste als Mail abholen 💜):

Denke bei Deinem Higneedbaby und „Schreibaby“ immer als Erstes an die Grundbedürfnisse

  • Nahrung
  • Ausscheidung, Sauberkeit
  • Wärme
  • Schlaf
  • Sicherheit
  • Gefühle verstehen und bewältigen (mit einer liebevollen Bezugsperson)
  • Gemeinschaft
  • Körperkontakt
  • Ansprache (mit Worten und mit Berührungen)
  • neue Reize, aber nicht zuviele
  • verstehen, was passiert
  • Neues lernen

Wenn die Grundbedürfnisse so gut wie möglich gedeckt sind, können wir weiter schauen. Und, nein, Du brauchst Dich nicht mies fühlen, wenn Du keinen Plan hast, was Dein gerade Baby braucht (weil es vielleicht einfach immer stillen möchte, weil es Körperkontakt oft abwehrt, weil es zwar müde aussieht, aber nicht schlafen kann….). Das kommt mit der Zeit, wenn Du Dein Baby besser kennen gelernt hast!

Wenn Du also so gut wie nur möglich alle Grundbedürfnisse Deines Highneedbabys oder Schreibabys abgecheckt hast, Dein Baby aber trotzdem regelmäßig lange und verzweifelt schreit, kann etwas anderes dahinter liegen.

Stöber` mal unten- es lohnt sich! Findest Du vielleicht sogar den meiner Erfahrung nach häufigsten Grund für Schreiattacken? Er ist im Text versteckt 😊

Mögliche Gründe für das Verhalten von Schreibabys und Highneedbabys:

  • körperliche Gründe
  • Gründe in der Entwicklung
  • Gründe in der Persönlichkeit
  • seelische Gründe

Was hilft meinem Schreibaby oder Highneedbaby und wann wird es besser: Körperliche Gründe

Körperliche Gründe für untröstbares Babyschreien sind möglich- aber nicht sehr häufig. Oft steckt etwas ganz anderes hinter dem Schreien. Gleichzeitig sind körperliche Gründe das Erste, was abgeklärt werden sollte.

Krankheiten, Verletzungen, Schmerzen

Das erste, was uns einfällt, wenn wir etwas gegen das Babyschreien tun möchten: meinem Baby tut etwas weh! Das ist bei Babys, die sehr viel schreien, nicht immer der Grund. sogar nur selten. Gleichzeitig muss zuallererst abgeklärt werden, ob Dein Baby körperliche Probleme hat.

Krankheiten, Verletzungen, Schmerzen bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Ich kenne die häufigen körperlichen Gründe für untröstbares Babyschreien. Ich werde sie hier jedoch nicht auflisten- ich weiß genau, dass sich dann übermüdete Eltern jedes Krankheitsbild kopieren und direkt in eine Suchmaschine eingeben (erwischt?). Solche konkreten Hinweise gehören nur in eine umfassende, individuelle Babyschreiberatung.

Ich möchte Dir aus meiner Erfahrung mit Schreibabys und Highneedbabys meine besten Tipps geben, welche Fachleute Du in Anspruch nehmen solltest. Denn nicht immer sind Hebamme und Kinderarztpraxis hilfreich im Herausfinden der Gründe, wieso Dein Baby so viel schreit.

Wenn in Deiner Kinderarztpraxis keine Gründe für das viele Schreien gefunden, Deine Sorgen vielleicht nicht mal aufgeschrieben und besprochen wurden, dann empfehle ich Dir den Weg zu folgenden Fachleuten:

  • eine zweite Kinderarztpraxis
  • eine kinderorthopädische Praxis/ orthopädische Praxis mit Erfahrung mit Babys/ ein:e Kinderphysiotherapeut:in/ Fachperson für frühkindliche Reflexe
  • eine sehr gute Babyschreiberatung
  • ein:e Kinderarzt:in, Hebamme oder sonstige Fachperson mit Fortbildung in Bezug auf Zungendband
  • ein:e Kinderarzt:in, Hebamme oder sonstige Fachperson mit Fortbildung in Bezug auf Reflux
  • eine Stillberaterin (zB. IBCLC) oder Berater:in für Formula (zB. FES), falls es Probleme mit der Ernährung und/ oder Gewichtsentwicklung Deines Babys gibt

Scheue Dich bitte nicht, fachkundige Hilfe zu suchen. Auch, wenn Dein Baby Autofahren hasst, findet sich sicher eine Möglichkeit. Ihr seid es wert!

Krankheiten, Verletzungen, Schmerzen bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Wenn Du herausgefunden hast, was Deinem kleinen Baby fehlt, hast Du nun eine Therapie oder Lösung im Blick. Hier möchte ich Dir empfehlen, Dich an die Pläne der Fachleute zu halten. Das heißt: wenn Du eine kompetente Stillberaterin hast, dann höre auf sie, nicht auf jemand anderes. Wenn Du eine:n hilfreiche:n Kinderorthopäd:in entdeckt hast, bleibe dabei.

Es gibt so wenige Profis für intensive Babys, dass viele Expert:innen in Wirklichkeit wenig bis keine Ausbildung über intensive Babys haben. Viele meiner Beratungsfamilien haben berichtet, dass zum Beispiel Hebammen zwar absolute Vollprofis in den Themen Geburt und Wochenbett (und mehr) sind, bei sogenannten Schreibabys und Highneedbabys aber nur wenig oder sogar schädliche Ratschläge anbieten können. Dieselben Erfahrungen haben viele meiner Beratungseltern leider oft mit Kinderärzt:innen gemacht. Wenn Du jemanden gefunden hast, der/ die Dir bei Deinem Baby wirklich helfen kann, dann bleibe bei dieser Fachperson!

Allergien, Unverträglichkeiten, Bauchweh

Früher dachte man bei Neugeborenen, die sehr viel und untröstbar schreien, meist zuerst an Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung. Dieser Glaube ist nicht mehr aktuell. Trotzdem werden besorgte Eltern immer noch zu oft mit Entschäumermedikamenten und entblähenden Tropfen abgefertigt, wenn sie wissen möchten, was ihrem schreiendem Baby hilft. Wie schade! Die Ursachensuche muss bei intensiven Babys viel tiefer gehen, die Eltern viel mehr angehört und ernst genommen werden. Heute ist klar: „Dreimonatskoliken“ gibt es nicht.

Allergien, Unverträglichkeiten, Bauchweh bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Zuallerst ein Tipp, was Du nicht tun solltest: einfach wild die PRE- Marke wechseln oder als Stillmama Diät halten, weil Dir jemand erzählt hat, dass Dein Baby Deine Milch nicht verträgt. Ebenso bitte nicht einfach Probiotika kaufen, die damit werben, dass Dein Baby damit weniger schreit! Hier wird mit Deiner Angst gespielt. Auch rezeptfreie Probiotika sollten nur Rücksprache mit einer Fachperson eingesetzt werden.

Echte Unverträglichkeiten und Allergien sind bei Babys selten und auch stets mit mehreren Symptomen gekoppelt (Gedeihstörungen, untypischer Stuhlgang, ….). Ansprechpartner:in ist in dem Fall Deine Kinderarztpraxis, ein:e Allergolog:in (erfahren mit Babys) und/ oder eine Still-/ Formulaberatung.

Unreifes Verdauungssystem

Alle Babys haben Anfangs ein unreifes Verdauungssystem. Dein Baby hat noch nie zuvor Milch getrunken und verdaut, auch muss sich seine Darmflora erst noch aufbauen. Dies ist bei allen Babys auf der ganzen Welt so- und doch schreien nicht alle so viel. Wenn Dein Baby sich mit solch normalen Reifungsvorgängen quält, liegt etwas anderes dahinter (etwas eine Überempfindlichkeit, was ein typisches Zeichen für einen sensiblen Charakter ist). Bitte suche auch hier zuerst Hilfe bei den oben genannten Fachpersonen.

Allergien, Unverträglichkeiten, Bauchweh bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Wenn Dein Baby vor Bauchschmerzen schreit, jedoch körperlich gesund ist, kommen hier Lösungen für Dich:

Was tun, wenn Dein Baby Bauchweh hat?

Wenn sich Dein Baby quält, die Beinchen anzieht, drückt und stöhnt, dann hat es noch nicht recht verstanden, wie das mit dem großen Geschäft funktioniert. Ist auch nicht leicht: Man muss den Bauch anspannen, den Schließmuskel jedoch locker lassen. Viele Babys schaffen das Anfangs nicht, drücken auch den Popo zusammen und klar, das ist unangenehm oder tut sogar weh.

Bewegung und Wärme

Beides regt die Verdauung an und beruhigt Dein Baby. Diese Kombination gibt es auf Deinem Arm, beim Schlafen auf Deinem Bauch oder in einem gut gebundenen Tragetuch oder einer passenden Tragehilfe. Du kannst Dein Baby nicht zu viel tragen: sofern es in einer gesunden Haltung eingebunden ist ( Bauch an Bauch und in Anhock- Spreizhaltung) und auf dem Arm nicht nur einseitig getragen wird, gibt es keine Nachteile, denn Babys kann man nicht verwöhnen 💜

Was hilft gegen Blähungen beim Baby?

Hast Du den Verdacht dass Dein Baby viel Luft im Bauch hat und sich quält? Hier kann es helfen, die Luft gar nicht erst in den Darm gelangen zu lassen. Sei schneller als der Pubs!

Also: entweder keine Luft in den kleinen Magen oder eben die Luftblasen gleich wieder zurück schicken, bevor sie zu Blähungen beim Baby werden können:

  • lass Dein Baby nach jedem Trinken und auch dazwischen aufstoßen. Manche Babys können leichter rülpsen/ Bäuerchen machen, wenn man ihnen sacht den Rücken klopft, anderen reicht aufrecht halten und wieder andere können sich erleichtern, wenn man umher läuft. Wenn nach ein paar Minuten kein Bäuerchen kommt oder Dein Baby schreit: dann eben nicht- bitte kein Stress 💜
  • Falls Dein Baby sich oft verschluckt, beim Trinken schnalzende oder klackende Geräusche macht, oft spuckt, dann lass` bitte Reflux und das Zungenband abklären.
  • Achte beim Flasche geben darauf, dass keine Luft geschluckt wird (also keine Luft in den Nuckel gelangt).
  • Du kannst beim Schlafen das Kopfteil erhöhen, damit Luft leichter aufgestoßen werden kann: zum Beispiel mit einem Kopfkeil oder bei einer Babymatratze mit einem Aktenordner darunter. Beachte bitte, dass das nur eine Notfalllösung ist und nicht den Grund für das Luftschlucken behebt.
Abhalten und windelfrei

Kulturell leider oft ein großes Igittbäh, dabei so sehr hilfreich für kleine Babys, die sich mit der Verdauung schwer tun.

Hast Du schon einmal erlebt, dass Dein Baby beim Wickeln, kaum war die alte Windel auf, sich erleichtert hat? Oder drückt Dein Baby gerne in die frische Windel, sobald Du ihm die Hose wieder hochgezogen hast? Kann es vielleicht sein, dass Dein Stillbaby manchmal wild an- und abdockt, aufgeregt schreit und Du befürchtest, es läge an Deiner Milch?

Wenn sich die Windel ungewohnt anfühlt

Viele Babys, vor allem sensible Babys, machen nicht gerne in Windeln, vor allem nicht, wenn diese bereits nass und klebrig sind. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es Einmalwindeln oder Stoffwindeln sind. Du kannst Deinem Baby (und der ganzen Familie) das Leben sehr erleichtern, wenn Du Dein Baby oft mit nacktem Unterkörper strampeln lässt (vielleicht mit warmen Babystulpen?).

Noch besser und schneller klappt es, wenn Du Dein Baby abhälst. Dafür hälst Du Dein Baby an den Oberschenkeln (wenn Du hinkommst, einen Finger an seine Fußsohlen, damit es Begrenzung hat), sein Rücken an Deinem Bauch, über eine Schüssel, eine Wickelunterlage, das Waschbecken oder die Toilette, ganz egal wo. Entspann Dich- und warte. Rede Deinem Baby gut zu, mach ein paar Drückbewegungen mit Deinem Bauch und vielleicht noch ein paar „pssssss“ Laute. Nicht erschrecken, wenn es jetzt knallt: die meisten Babys entleeren sich sehr schnell, sobald sie verstanden haben, um was es geht. Ein anschauliches Bild über das Abhalten findest Du hier.

Der Fliegergriff für Babys?
Ist der Fliegergriff schädlich?

Der Fliegergriff ist schlechter als sein Ruf. Ja, er wird seit Jahrzehnten empfohlen, denn der Vorteile sind klar: Babys mögen die Bauchlage und können zudem viel sehen, werden also abgelenkt. Zudem hat die Trageperson einen Arm frei.

Die Nachteile sind jedoch nicht von der Hand zu weisen:

  • Gefahr der Einseitigkeit, wenn nicht regelmäßig die Seite gewechselt wird
  • Überreizung des Babys: wenn Dein Baby auf dem Arm im Fliegergriff einschläft, kann es zwar sein, dass es die Haltung sehr gemütlich findet- es kann aber auch sein (und ist bei sensiblen Babys sogar sehr wahrscheinlich), dass Dein Baby von der Sicht und auch von der Haltung (Arme und Beine hängen frei) verunsichert ist und versucht, sich durch Schlaf aus dieser Situation zurück zu ziehen. Das merkst Du zB. daran, dass Dein Baby in den folgenden Stunden oder am Abend mehr schreit als sonst.
  • Respekt: der Fliegergriff verleitet dazu, das Baby quasi „zu vergessen“ und sich einarmig einen Tee zu kochen, Hausarbeit zu erledigen oder am Handy zu hängen. Versteh` mich bitte nicht falsch: das alles muss gemacht werden (ja, auch die Pause am Handy). Dein Baby ist gleichzeitig kein Accessoire, das passiv auf Deinem Arm hängt. Es kann dazu führen, dass Dein Baby durch vermehrtes Schreien auf sich aufmerksam machen möchte (zurecht). Zudem besteht Gefahr durch das nach vorne gerichtete Gesicht Deines Babys: beim Kochen, Braten oder auch beim Herumlaufen.
  • Begrenzung: im Fliegergriff baumeln die Beine des Babys frei herum. Dies ist keine schützende Haltung, was sensible Babys wahrscheinlich auch zeigen werden.
Alternative zum Fliegergriff: die Bauchweh- Haltung

Falls Du den Fliegergriff gegen Bauchschmerzen einsetzen möchtest, ist die Abhalte- Position von oben eine bessere Möglichkeit. Wenn Dein Baby dabei nackt ist und über eine Wickelunterlage oder Schüssel gehalten wird, kann es sein, dass es sich dabei komplett entleeren kann- wunderbar! Dein Baby wird es Dir danken.

Falls Dein Baby einfach auf den Arm möchte und keine Bauchschmerzen hat, bietet sich Tragen in Tragetuch oder Tragehilfe an.

Wenn Dein Baby und Du den Fliegergriff sehr mögt, dann achte bitte auf beidseitig abwechselndes Tragen und darauf, dass Dein Baby nicht mit zu vielen Reizen konfrontiert wird (auch mal einfach an das Fenster stellen oder vor eine Wand).

Raucht Dir schon der Kopf?

Verständlich, Dein Baby braucht all Deine Energie. Mach` Dir keine Sorgen- ich habe Dir die wichtigsten Punkte aus diesem Artikel hier zusammengefasst.

Übermüdung

Übermüdung ist nach meiner Erfahrung der häufigste Grund für untröstbare Schreiattacken, für Schreien „wie verrückt“, wenn das Baby wie abgedreht wirkt und für nichts mehr erreichbar ist. Durch den Stress der Übermüdung kann Dein Baby schlechter einschlafen und wacht wahrscheinlich auch noch nach kurzer Zeit wieder auf, um heiser und mit zitternden Lippen weiter zu schreien: ein Teufelskreis!

Übermüdung bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Wenn Dein Baby oft sehr lange zum Einschlafen braucht, sehr oft aufwacht und generell unausgeglichen, quengelig und unzufrieden wirkt, kannst Du eine Schlafberatung um Hilfe fragen. Viele Schlafberatungen sind auch auf social media unterwegs, so kannst Du Dir einen ersten Eindruck verschaffen, ob genau diese Beratung zu euch passt: es gibt Schlafberatungen mit dem Fokus auf Bindung, andere mit dem Fokus auf Durchschlafen und viele mehr. Oft sind unterschiedliche, manchmal leider auch fragwürdige Methoden im Einsatz.

Wenn Du ein Baby mit sogenannten Anpassungsstörungen, ein „Schreibaby“ oder Highneedbaby hast, solltest Du dringend eine Schlafberatung suchen, die sich auf intensive Babys spezialisiert hat. Von vielen verzweifelten Eltern, die bereits zwei, drei oder mehr unterschiedliche Beratungen hatten, weiß ich, dass vieles bei intensiven Babys einfach anders ist und herkömmliches Schlafwissen oft nicht hilft.

Übermüdung bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Bis Du eine kompetente Schlafberatung gefunden hast, habe ich diese zwei Tipps gegen Übermüdung bei intensiven Babys für Dich:

  • Versuche, Dein Baby zum Schlafen zu bringen, bevor es die typischen Müdigkeitsanzeichen wie gähnen oder weinen zeigt. Denn zu diesem Zeitpunkt ist es bei intensiven Babys meist schon zu spät! Achte auf frühere Zeichen wie zB. weg schauen oder gerötete Augenbrauen.
  • Notiere Dir die Schlafzeichen Deines Babys, damit Du daraus Rückschlüsse auf das Schreiverhalten ziehen und die Zeiten mit Alterstabellen vergleichen kannst. Zu müde zum Mitschreiben? Verstehe ich! Du kannst einfach Screenshots von Deinem Sperrbildschirm machen und später die Zeiten vergleichen 💡

Was hilft meinem Schreibaby oder Highneedbaby und wann wird es besser: Gründe in der Entwicklung

Gründe in der Entwicklung bedeuten in erster Linie: sie vergehen mit der Zeit von alleine- und Du brauchst eine Menge Geduld.

Anpassungsschwierigkeiten/ „Anpassungsstörungen“

Solche Schwierigkeiten werden fälschlicherweise auch Anpassungsstörungen oder (veraltet) „Dreimonatskoliken“ genannt.

Du findest Hilfen zur Diagnose und Tipps, was bei sogenannten Anpassungsstörungen bei Babys hilft, hier: zum Blogartikel

Sehnsucht nach Selbständigkeit: Autonomiewunsch bei Babys

Dies ist ein Grund in der Persönlichkeit, im Charakter Deines Babys: es möchte selbständiger sein. Schnell! Am besten sofort! Kennst Du den (wunderbar treffenden) Spruch „das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“? Dein Baby versucht genau das- es „zieht am Gras“, es möchte mehr, als gerade möglich ist.

Autonomiewunsch bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Je jünger Dein Baby ist, desto schwerer ist es, Charaktereigenschaften einzugrenzen. Die Fähigkeiten, sich auszudrücken, sind anfangs noch begrenzt: Hauptkommunikationsmittel ist Schreien. Je älter und mobiler das Baby wird, desto mehr kristallisieren sich bestimmte Eigenschaften heraus.

Autonome Babys kann man am besten erkennen, wenn sie beginnen, verschiedene Laute zu üben oder sich etwas mehr bewegen können. Sie üben dann nicht, wie andere Babys, mit Ausruhen und Pausen- nein, sie versuchen, einfach immer so viel zu trainieren, wie sie nur können. Sie trainieren Tag und Nacht, testen ihre Stimme, trällern, kreischen und quietschen nachts neben Dir im Bett, rollen sich sogar im Schlaf wild herum (und weinen dann wütend und verzweifelt, wenn sie es noch nicht alleine zurück schaffen) und robben wenig später schlafend im Bett herum (und knallen dabei an das Kopfende).

„Ich will es selbst können!“

Wartest Du, dass es nach 3 Monaten besser wird? Das ist zwar bei einigen Problemen so, bei autonomen Babys jedoch nicht: Es kann passieren, dass Dein Baby nun wochen- und monatelang tagsüber viel quengelt, jammert und tobt (sorry, ich bin ehrlich), alles nur, weil es endlich mehr können möchte. Kein Bauchweh, keine Blähungen: ein großer Wille, zu lernen und unabhängig zu sein, steckt hier dahinter.

Autonomiewunsch bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Geduld. Zeit. Vertrauen. Es gibt bei autonomen Babys kein Wundermittel, keine Therapie. Dein Baby braucht erwachsene Personen, die sein Schreien begleiten, die ausstrahlen: „ja, es fühlt sich für Dich schwer an. Wir schaffen das. Ich bin da.“

Wenn der Grund für das Verhalten eines sogenannten Schreibabys oder Highneedbabys ein autonomer Charakter ist, dann braucht dieses Baby Bezugspersonen, die es schaffen, die Wut und den Frust der kleinen starken Persönlichkeit auszuhalten. Oh, das kann unendlich schwer sein! Es ist sehr wichtig (vielleicht das wichtigste!), dass Du und die anderen Bezugspersonen auf ihre Energie achten. Es steckt harte Gefühlsarbeit dahinter, ein solches Baby ausdauernd und liebevoll begleiten zu können.

Hilfe für eine schnellere Entwicklung?

Nein, Du kannst Deinem Baby nicht helfen, schneller seine Meilensteine zu erreichen. Du kannst ihm aber helfen, dass es sich in einem gesunden Tempo entwickelt und seine motorische Entwicklung unterstützen:

  • nicht helfen! Setze Dein Baby nicht früher hin, als es das selbst kann. Wenig liegen in erhöhten Positionen, wenig Hilfsmittel: Türhopser und „Geh-Frei“ sollten sowieso nicht zum Einsatz kommen, aber auch wichtige Hilfsmittel wie Babyschale und Federwiege bitte sparsam einsetzen. Dein Baby möchte sich bewegen können, seinen Körper kennen lernen (und wenn es dabei schimpft, sind Deine liebenden Arme da). Wenn Du Deinem Baby hilfst, verlangsamst Du es, Du hinderst es, die Bewegungen im natürlichen Ablauf selbst zu erlernen.
  • anatomisch korrekt Tragen: Tragen ist für Menschenbabys artgerecht. Es fördert Bindung, Verdauung und gibt Deinem Baby viele Impulse für eigene Bewegungen, sofern anatomisch korrekt getragen wird.
  • richtig bewegen: Du kannst Dein Baby so hochheben, tragen, ablegen und bewegen, dass es in seiner natürlichen Bewegungsentwicklung unterstützt wird. Dies ist möglich mit dem Konzept des „Kinästhetics Infant Handling“. Es gibt hierzu im Internet viele Informationen, Videos und Tipps.

Was hilft meinem Schreibaby oder Highneedbaby und wann wird es besser: Gründe in der Persönlichkeit

Wenn Dein Baby viel schreit, wenig schläft, scheinbar ständig unzufrieden ist, dann stecken oft Gründe im Charakter dieses Babys oder in der Art, wie sein Gehirn funktioniert, dahinter. Diese Gründe lassen sich bei sehr jungen Babys noch nicht sicher erkennen und werden erst mit der Zeit deutlicher. Ein Hinweis ist, dass das untröstbare Schreien weit länger als 2-5 Monate andauert.

Lass` uns mal schauen, welche Gründe es sein können:

Hochsensible Babys

Hochsensibilität bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Mit einer Knoblauchzehe in der Nase barfuß auf Dornen direkt vor der Lautsprecherbox einer extrem lauten Band stehen. Auf einer sandigen Matratze liegen, wo jeden Körnchen in alle Deine Körperfalten kriecht und juckt, neben Dir schnarchen drei erkältete Bären und direkt vor dem undichten Fenster, durch das kalter Wind hinein weht, ist eine Baustelle.

Albtraum? Hochsensible Menschen nehmen alle Reize intensiver wahr. Kratzige Etiketten in Kleidung. Parfümiertes Duschgel. Helligkeit. Lautstärke.

Nein, es ist keine Behinderung, keine Krankheit. Es ist ein Teil der Persönlichkeit Deines Babys (und vielleicht auch Deiner?). Es nimmt alle Reize verstärkt war. Und weil Dein kleines Baby noch nicht viel versteht, weil alles neu ist, wird es vor Verzweiflung, Verwunderung und Überforderung schreien. Wahrscheinlich sehr viel schreien!

Stell` Dir vor….

Stell` Dir eine Herde Wildpferde vor. Sie grasen friedlich auf einer Lichtung. Heimlich nähern sich Pferdefänger. Sie sind erfahren und schleichen geschickt durch das Unterholz. Die Herde grast weiter. Doch ein Pferd dreht plötzlich das Ohr. Es hört nichts, aber es spürt etwas. Sein Kopf hebt sich, es wiehert! Eine Warnung an all die anderen Pferde, bevor diese überhaupt nur den Verdacht hatten, dass etwas nicht stimmt. Das ist das hochsensible Pferd. Das ist Hochsensibilität. Spüren, was andere (noch) nicht wahrnehmen können.

Merkmale von hochsensiblen Babys

Du kannst Hochsensibilität bei Deinem Baby zB. daran erkennen (es müssen nicht alle Merkmale zutreffen, ein bis zwei reichen als Hinweis aus):

  • Dein Baby ist sehr unruhig/ schreit, wenn sich Abläufe ändern
  • Dein Baby hasst die Babyschale, manchmal auch einbinden ins Tragetuch, pucken
  • Dein Baby wirkt, als würde es sehr früh fremdeln (und reagiert dabei nur auf Parfüm, einen unbekannten Körper, eine neue Stimme)
  • Dein Baby möchte nicht auf frisch bezogenen Decken schlafen
  • es weint bei Dir, wenn Du geduscht hast
  • es reagiert mit Unruhe auf Etiketten, sogar Nähte
  • es hasst nasse Windeln
  • da Dein Baby wahrscheinlich sehr reizoffen ist, kann es sein, dass es stundenlang nach einem Ausflug (nicht unbedingt dort) schreit

Hochsensibilität bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Hochsensibel zu sein ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das Teil Deines Kindes ist und bleibt.

Manchmal entwickeln sich die Symptome einer Hochsensibilität so, dass etwas anderes dahinter stecken kann. Dann kann eine weitere Diagnostik nötig werden. Das ist normalerweise erst ab dem 5. Lebensjahr Deines intensiven Kindes möglich, daher spielt das im Umgang mit Deinem Baby noch keine Rolle- sollte aber im Hinterkopf behalten werden.

Gleichzeitig können Kinder auch lernen, wunderbar mit ihrer Hochsensibilität umzugehen, wenn sie entsprechende Hilfe von ihren Bezugspersonen bekommen.

Was Deinem hochsensiblen Baby unter anderem helfen kann:
  • wenig neue Reize: wenig Besuch, wenig Ausflüge. Wenn doch: Schreiphasen danach einplanen, Dein Baby wird die Anspannung wieder herauslassen müssen
  • Ruhephasen einplanen. Eine Ruhephase muss nicht leise an Geräuschen sein. Es kann auch helfen, andere Empfindungen „leise“ zu stellen: aufhalten in einem abgedunkelten Zimmer, beim Spazieren gehen Deinem Baby das Mützchen oder sein Stirnband über die Augen ziehen (wenn es das zulässt), an ein Fenster stellen
  • bei unbekannten Geräuschen weißes Rauschen hinzu schalten
  • Beim Beruhigen erst nur wenige und eher zarte Beruhigungsreize wählen: nicht zu wild auf und ab schaukeln, Federwiege lieber nur mit der Hand bewegen (wenn möglich, sonst niedrig schalten), weißes Rauschen nicht zu laut stellen
  • Seife, Duschgel und sonstige Pflegeprodukte der Bezugspersonen und Waschmittel am besten parfümfrei
  • Etiketten aus Kleidung entfernen, auf weiche Stoffe achten
  • Bitte beachte: hochsensible Menschen sind oft besonders schmerzempfindlich. Bitte behalte dies bei Krankheiten, Zahnen und/ oder Wachstumsschüben im Hinterkopf.

Wenn Dein Baby hochsensibel ist, kann es sehr aufschlussreich sein, einmal auf Dich selbst oder auf den anderen Elternteil zu schauen: oft liegt Hochsensibilität in der Familie! Vielleicht lernst Du durch Dein Baby auch, Dich selbst besser zu verstehen 💜

Beachte: das Schreien nach neuen Reizen oder Überforderung muss nicht immer abgestellt werden! Mit solchem Schreien kann Dein Baby negative Gefühle und Spannungen (an Dich) abgeben. Der Weg, mit diesem Spannungs- Abschreien umzugehen, ist einfühlsames Begleiten (das kannst Du zB. bei mir lernen).

Bitte schau` auch in die folgenden Artikel über Gefühlsstärke und Reizoffenheit- beide Eigenschaften gehen oft Hand in Hand mit Hochsensibilität!

Gefühlsstarke Babys

Gefühlsstärke bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Hunger ist Verhungern! Frieren ist Erfrieren! Alleine sein heißt verloren sein! Die Gefühle eines gefühlsstarken Menschen sind laut, wild, unkontrolliert, stark!

Hast Du oft den Eindruck, dass Dein Baby an vollkommen normalen Erlebnissen total verzweifelt? Dass andere Babys in verschiedenen Lautstärken weinen- Deines aber jedes Mal extrem und verzweifelt schreit? Vielleicht ist Dein „Schreibaby“ oder Highneedbaby gefühlsstark!

Gefühlsstärke ist ebenso wie Hochsensibilität keine Krankheit. Beide Merkmale treten sogar oft gemeinsam auf: Dein Baby nimmt alles ungefiltert und viel intensiver wahr als andere- und wird dabei noch von übermäßig starken Gefühlen überwältigt.

Ebenso wie Hochsensibilität ist auch Gefühlstärke ein Teil des Charakters Deines Babys. Und genauso kann auch Gefühlsstärke ein Hinweis auf etwas anderes sein. Dies wirst Du jedoch erst herausfinden, wenn Dein Baby älter ist.

Gefühlsstärke bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Es kann sehr anstrengend für gefühlsstarke Menschen sein, die eigenen Emotionen auszuhalten. Dein Babys reguliert sich über Dich. Seine wahren, riesigen Gefühlsstürme werden über Dich hereinbrechen, wenn Du die engste Bezugsperson bist.

Dein kleines Baby, Dein überfordertes, gefühlsstarkes Baby, braucht jemanden, der oder die es hält. jemanden, der oder die es aushält, sich diese überstarken Gefühle anzuhören und dabei selbst am Boden zu bleiben. Deinem Baby helfen Deine Nähe ebenso wie feinfühliges Beruhigen und Begleiten.

Dies bedeutet, dass Du Tag für Tag, vermutlich noch für längere Zeit, anstrengende Gefühlsarbeit mit Deinem Baby leisten musst. Es ist daher unglaublich wichtig für euch beide, dass Du gut auf Dich aufpasst: Du brauchst Hilfe, um zu lernen, selbst ruhig zu bleiben, um zu verstehen: diese wilden Gefühle Deines Babys sind nicht Deine!

Ebenso kann Dein Baby nichts für sein forderndes, anstrengendes Schreien: es wird selbst noch mehr davon erschüttert als Du, es weiß nicht, wo hinten und vorne ist, es ist diesen ganzen neues Gefühlen ausgeliefert. Dein Baby macht es Dir nicht schwer…. es ist schwer für Dein kleines Baby!

Gefühlsstärke geht oft einher mit Hochsensibilität und/ oder Reizoffenheit. Je jünger das Baby, desto schwerer sind diese beiden Persönlichkeitsmerkmale zu erkennen und auseinander zu halten. Bitte schau` daher auch in den Abschnitt „Was Deinem hochsensiblen Baby unter anderem helfen kann“.

Nervensystem- Unterschiede: Autismus, ADHS

Zu keinem anderen Thema bekomme ich mehr ängstliche Fragen: werden aus Schreibabys und Highneedbabys später Kinder mit Autismus oder ADHS?

Die Antwort darauf ist leicht: nein. Wenn Dein Baby viel schreit, wird aus ihm kein Kind mit einer Krankheit. Es ist vielmehr so, dass es sein kann, dass Dein Kind bereits eine Krankheit hat- und das Schreien das Symptom, der Ausdruck davon, ist.

Aber lass` mich nochmal zurückrudern: es ist nicht mehr zeitgemäß und auch nicht treffend, Autismus, ADHS und auch andere Arten von Neurodivergenz als Krankheit zu bezeichnen.

Was ist Neurodivergenz?

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Autismusspektrum

Autismus bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Autistische Menschen können nicht automatisch einen Haufen Streichhölzer auf einen Blick durchzählen oder lernen Telefonbücher auswendig. Nischenbegabungen sind nicht das ultimative Symptom für Autismus (auch, wenn sie natürlich vorkommen).

Autismus ist vielfältig, mehr oder weniger ausdrucksstark. Die Diagnosestellung ist komplex und gehört in die Hände von Fachpersonen.

Untröstbares Babyschreien ist kein eindeutiger Hinweis auf Autismus (je jünger Dein Baby ist, desto eher können auch Anpassungsschwierigkeiten dahinter stecken). Gleichzeitig kann es ein Zeichen sein, wenn im Laufe der Zeit noch weitere Hinweise dazu kommen. Ich bitte Dich daher, offen zu bleiben für eventuelle Zeichen bei Deinem Kind und im selben Atemzug nicht überaufgeregt jedes Verhalten Deines Kindes in Suchmaschinen einzutippen (das ist übrigens nie eine gute Idee).

Zum besseren Verständnis empfehle ich Dir diese Folge vom „Autismus braucht Aufklärung“ Podcast: Autismus kompakt- Autismus erklärt in knapp 15 Minuten

Autismus bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Mit einer Diagnose wird euer Leben anstrengender als das sein, was Du Dir erträumt hast. Nein, Moment…. es ist ja jetzt schon anstrengend! Du hast jetzt nur eben einen Grund dafür! Eine Diagnose kann ein Stempel sein- aber auch eine Erleichterung, ein Türöffner.

Die meisten Diagnosen lassen sich erst mit ca. 5 Jahren stellen. Ansprechpartnerin ist zuerst Deine Kinderarztpraxis. Dort wirst Du wahrscheinlich an ein Frühförderzentrum oder ein sonderpädagogisches Zentrum überwiesen.

Wenn Du unsicher bist, stell` Dein Kind früher dort vor- und wenn Du nicht ernst genommen wirst, schäme Dich nicht, eine weitere Fachperson hinzu zu ziehen!

Nach dem ADHS- Abschnitt findest Du noch einen Bonustipp 💜

ADHS- Spektrum

ADHS bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Es gibt kein einheitliches Erscheinungsbild von ADHS. Auch hier sprechen wie von einem Spektrum, von verschiedenen Ausdrucksarten. Manche Menschen kommen erst als Erwachsene auf die Idee, dass sie überhaupt ADHS haben könnten.

Früher oder später suchen die meisten Eltern von sogenannten Schreibabys oder Highneedbabys den Begriff „ADHS“. Die Kinder wirken aufgekratzt, überfordert, wild, laut.

ADHS kann im Babyalter noch nicht sicher festgestellt werden. Je jünger Dein Baby ist, desto uneindeutiger sind seine Zeichen (untröstbares Schreien kann erstmal auf vieles hinweisen).

Über ADHS bei Kindern mag ich diese Podcastfolge vom Elterngespräch- Podcast: ADS und ADHS- Diagnose und Behandlung

ADHS bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Am meisten hilft im Moment, sich nicht verrückt zu machen. Dein Baby schreit im Hier und Jetzt: eine zukünftige Diagnose ändert daran erst einmal rein garnichts. Der Weg, mit untröstbarem Babyschreien umzugehen, führt über Beruhigen und/ oder Begleiten. Je älter Dein Kind wird, desto klarer können Symptome auf eine Diagnose hinweisen.

Wie bei Autismus gilt auch hier: die meisten Diagnosen lassen sich mit 5 Jahren stellen. Ansprechpartnerin ist Deine Kinderarztpraxis.

Und weißt Du, was nicht hilft? Einfach mehr in den Wald zu gehen und das Kind besser zu erziehen 😉 Denn das Gehirn von Menschen mit ADHS funktioniert anders! Daran ändert kein Baum der Welt etwas. Bitte weniger Vorurteile über ADHS!

Bonustipp

Schau` doch mal in das U- Heft Deines Babys. Hier gibt es die Möglichkeit, anzukreuzen, ob das Kind sich altersgemäß entwickelt oder nicht. Oft erlebe ich, dass Eltern alles tun, damit dort kein Kreuzchen landet, dass sie die Belastungen herunter spielen, die eigene Erschöpfung lächerlich machen, damit niemand erkennt, dass das Baby eben nicht so ist, wie andere Babys.

Und diese Eltern liegen möglicherweise richtig und die Beschwerden und das Schreien ihres Babys werden vergehen, das Kind kann später vollkommen unauffällig sein (sehr wahrscheinlich sogar!).

Gleichzeitig kann es sein, dass die Probleme Deines Kindes sich nicht „verwachsen“, sondern intensivieren. In dem Fall ist Dein Kind oder ihr alle auf Hilfe angewiesen. Es gibt viele solcher Hilfen, zum Beispiel Begleiter:innen für Kindergarten und Schule, aber auch eine Rückstellung von der Einschulung (was auch bei Hochsensibilität hilfreich sein kann) kann vieles entkrampfen: manche Kinder brauchen einfach noch ein bisschen Zeit.

Das hilfreiche Kreuzchen

Für all solche Aktionen- Hilfsbewilligung, Rückstellung usw., kann dieses kleine Kreuzchen den Weg ebnen! Falls Dein Kind später keine Hilfen benötigt, macht das nichts- das Kreuzchen hat keine Konsequenzen.

Zu viel auf einmal?

Ich habe hier eine kleine Zusammenfassung für Dich erstellt 💜

Was hilft meinem Schreibaby oder Highneedbaby und wann wird es besser: Seelische Gründe

Erinnerungsweinen

Erinnerungsweinen ist ein häufiger Grund für untröstbares Babyschreien in der ersten Zeit nach der Geburt.

Erinnerungsweinen bei Schreibabys und Highneedbabys: was tun?

Auch, wenn Dein „Schreibaby“ oder Highneedbaby noch sehr jung ist- es hat womöglich schon eine Menge erlebt. Vielleicht hattest Du

  • körperliche oder seelische Probleme in der Schwangerschaft
  • ein Trauma in der Schwangerschaft
  • eine problematische Geburt

Vielleicht hatte Dein Baby

  • bereits eine Operation
  • eine Trennung von Dir direkt nach der Geburt oder kurz danach
  • Angst vor oder während der Geburt

Es gibt vieles, was ein kleines Baby zutiefst ängstigen kann. Beachte bitte: nicht alles, was für Dich schlimm war, muss auch für Dein Baby schlimm sein. Selbst, wenn die Geburt hart und für Dich schrecklich war, muss das nicht automatisch auch so für Dein Baby gewesen sein (wahrscheinlich aber schon).

Andersherum ebenso: Erlebnisse, die für Dich unauffällig oder sogar schön waren, können sich für Dein Baby anders angefühlt haben.

Viele Babys erleben bereits im Mutterleib Ängste, Schreck und Unruhe. Deshalb sind all diese Babys nicht automatisch intensive Babys, die untröstbar schreien: nein, es kommt immer noch der Aspekt der Persönlichkeit, des Charakters des Babys hinzu. Ist Dein Baby womöglich sehr sensibel, kann ihm ein Schreck in der Schwangerschaft sehr zusetzen. Ein Baby mit einem anderen Charakter wird da ganz anders reagieren.

Erinnerungsweinen bei Schreibabys und Highneedbabys: was hilft wirklich?

Erinnerungsweinen kann nicht abgestellt werden. Dein Baby möchte sein Erlebnis mitteilen und hat dafür nur eine Ausdrucksform: sein Schreien!

Eine gute Möglichkeit, mit Erinnerungsweinen umzugehen, ist das einfühlsame Begleiten des Schreiens. Dein Baby braucht dabei nur seine engsten Bezugspersonen, die ihm zuhören und selbst dabei ruhig bleiben. Haha, „nur“! Das kann unglaublich schwer sein.

Vor allem, wenn Du das gleiche belastende Erlebnis wie Dein Baby durchgemacht hast, kann es sein, dass das verzweifelte Schreien Deines Babys negative (verzweifelte, hilflose, wütende) Gefühle in Dir weckt. Daher hilft hier am besten alles, was Du brauchst, um für Dein Baby da zu sein:

  • Hilfe beim Erlernen des Begleitens (zum Beispiel in Schreiambulanzen der Emotionellen Ersten Hilfe oder bei einer guten Babyschreiberatung)
  • Menschen, die Dir zuhören, Dich unterstützen und ernst nehmen
  • Selbstachtung: Du machst es gut genug 💜
  • Gehörschutz ohne schlechtes Gewissen: so können wir Eltern unseren Babys oft viel besser zuhören!
  • Therapeutische Hilfe für Dein Erlebnis

Achtung: falls Du das Schreien Deines Babys nur sehr schlecht aushalten kannst, ist Beruhigen womöglich sicherer für euch als Begleiten.

Ist das alles ziemlich viel auf einmal?

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  • Checkliste „Ursachen für Babyweinen: Grundbedürfnisse“
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